Was hätte wohl der Papst dazu gesagt?

…. zu diesem, meinem Text, der doch schockieren kann – und will!

(bereits erschienen bei michason & may )

Tut dies zu meinem Gedächtnis

von Susanne O’Connell

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Pater Siegfried saß aufrecht in dem ledernen Ohrensessel der Sakristei und gedachte der letzten Worte Christi am Kreuz, während sich Schweißperlen auf seiner Stirn sammelten und langsam seine Schläfen entlang Richtung Kinn rannen. Es war Karfreitag, nach dem Wortgottesdienst. Die Finger in das abgeschmackte Mobiliar verkrampft, versuchte er erneut, des Leidenswegs seines Herrn zu gedenken. Ans Kreuz mit ihm! Die erste Station.

      Du sollst Enthaltsamkeit üben! Er stand auf und lief ein paar Mal um den Sessel herum, als flüchte er vor den Worten, die nicht zum Kreuzweg Jesu gehörten. Mit jedem Schritt beschwor er die geballten Fäuste und geifernden Fratzen der Menschen vor seinem inneren Auge herauf, die den Tod seines Herrn gewollt hatten.

      Lasset die Kindlein zu mir kommen! Auch das waren Worte Jesu. Zwar in anderem Kontext… doch schon sah der Diener Gottes die Kindlein zu sich kommen. Gehüllt in schickliche Ministrantengewänder, versprühten sie nur umso größeren Reiz. Sein Schweiß hatte sich bereits an der Stola gesammelt, die Hitze der Gedanken durchflutete seine Glieder.

      Weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Die wievielte Station? Siegfrieds Gedanken verwirrten sich zusehends. Tränen liefen über seine Wangen, er fiel auf die Knie und flehte um Erlösung, derweil sich die Glut zwischen seinen Beinen schier nicht mehr bezwingen ließ. Er betete vor dem nackten Jesuskind, seine gefalteten Hände zitternd ihm entgegengestreckt.

      Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Er liebte seinen Herrn für all die Vergebung der vergangenen Jahre. Das Feuer wurde unerträglich, er musste Hand anlegen, er musste, musste… die Kinderlein.

      Da öffnete sich die Tür, der jüngste Ministrant trat ein und sah den Priester zitternd am Boden liegen. „Ist Ihnen nicht gut, Pater Siegfried?“

„Jetzt schon, Oliver, jetzt schon!“ antwortete der Geistliche, stand auf und hob seinen Talar…


Advertisements

6 thoughts on “Was hätte wohl der Papst dazu gesagt?

  1. Respekt, da war der Papst in Deutschland und sagte: „Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln.“ Wie recht er hat. Staat und Kirche gehören generell getrennt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s